Mum, I’m coming home to you – Das Leben eines Dauercampers am Rhein

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Ob die B9 oder die B42 entlangfahrend, ob mit dem Schiff kommend, den Rheinsteig entlang wandernd oder vom Loreleyblick Maria Ruh aus schauend – von überall sieht man sie: Die weißen Eigenheime auf Rädern, typisch deutsch geordnet, auf den Zentimeter genau nebeneinander geparkt – weiße Wohnmobile auf Camping- und Stellplätzen.
Die Zeilen „Cuz I live at home in a trailer, Mom I’m coming home to you“ von Eminem in 8 Mile schießen mir jedes Mal durch meinen Kopf, wenn ich eines der weißen Campingmobile sehe.

Myotis Myotis, Metamorphose und Mondschein

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„Und Mitternachtstexte“, füge ich gedanklich hinzu. Es ist zwanzig vor eins, das Mittelrheintal schläft. Auf dem Rhein liegen die orangenen Lichter der Straßenlaternen, der dunkle Fluss verschmilzt mit den Bergen und ab und zu fährt ein Auto auf der B9 entlang. Nur in meinem Burgzimmer brennt noch Licht.

Die letzten ihrer Art – ein Leben auf dem Fluss

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Ein holländisches Familienunternehmen auf einem Frachter

„Das ist Romantik mit Stress“, grinst Robert Wijngaarden, „auf dem Wasser zu sein ist für mich wunderbar, aber die Tage sind lang. Oft sind es 16-Stunden-Schichten. Laden, ausladen, den Fahrplan einhalten, am Mittwoch anlegen in Worms, am Freitag in Düsseldorf.“
Robert Wijngaarden gehört die Salire. Gerade legt das Frachtschiff im kleinen Hafen am Fuße der Loreley an.

Flussabwärts bedeutet hoch: Gelbwangen-Schildkröten und Lu

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„Wir sehen die Dinge, wie wir sind, nicht wie sie sind.“ Als ich Lu begegne, muss ich an die Worte von Anaïs Nin denken.
Lu heißt eigentlich Florian und ist Mitte zwanzig. Er hat feine Gesichtszüge, klare, blaue Augen, die verträumt über den Rhein blicken. Seine dunkelblonden Haare fallen ihm immer wieder ins Gesicht.

Bushaltestellen-Romantik 2.0, Langeweile und Zurückkehren, wo der Fluss die schlechte Laune mitnimmt

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Vor kurzem saß ich in einer Bushaltestelle, der Grund selbsterklärend: Ich wollte einen Bus nehmen. Das Burgenblogger-Auto befand sich in der Werkstatt und ich musste zu dieser gelangen.
Als ich da also in der Bushaltestelle saß, erinnerte ich mich daran, wie viele Nachmittage, Abende, manchmal ganze Tage wir als Jugendliche in unserer Dorf-Bushaltestelle verbrachten. Sie war unser Safe Space, unser Treffpunkt, unser Raum – eben unser „place to be“.

Stabilitas: in Bewegung gehalten. Ein Besuch in St. Hildegard, Eibingen

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Ein heller Klang durchflutet den Raum. Ihre Stimmen sind eindringlich, gehen unter die Haut, lassen Schmerz und Freude entstehen – um das zu fühlen muss man kein Gläubiger, kein Christ sein. Es ist 12 Uhr und ich befinde mich in der Mittagshore, dem Stundengebet der Abteikirche St. Hildegard in Eibingen, einem Ortsteil von Rüdesheim am Rhein.

Ein Tag am Strand – im Zwiegespräch mit der Burg

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„Heute ist wie eine Schneekugel“, denke ich und liege am Strand in Trechtingshausen. Der Tag fühlt sich wie ein mit Wasser befüllter Behälter an und meine Gedanken wie die kleinen, glitzernden Partikel darin. Gut durchgeschüttelt, sodass die darin stehende Miniatur-Landschaft nicht sichtbar wird.

Steinreich: Künstler formt Poesie aus Mittelrhein-Kiesel

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„Hier sieht es nicht immer so aus!“, ruft Detlef Kleinen hastig und eilt auf mich zu. Sein blaues Hemd hat er bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, darüber trägt er Hosenträger, die Hände stemmt er in die Hüften. Seine dunkelblonden Locken fallen ihm zerzaust um den Kopf.

Luz del Rhein – das Licht am Rhein

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„Moriré aquí“ – hier werde ich sterben, sagt Anna und lächelt mich an.

Wir begegneten uns eine Woche zuvor, ich lief auf der Burgmauer in Bacharach entlang, während sie mit ihrer Familie auf der selbigen zu Abend aß: Reis, Tortilla, dünn gebratenes Fleisch. Es war spät abends, für deutsche Verhältnisse wäre es ein Mitternachtsmahl gewesen.
Ich setzte mich für einen Moment zu Anna und ihrer Familie an den Tisch, hörte ihren Gesprächen zu, war jedoch müde und sagte, dass ich wiederkommen werde. Anna bot mir an dem Abend an, einmal zu kellnern – und ich nahm an.

Erwartungen an die Liebe und deren Nicht-Erfüllung

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Nachts in Bacharach

Alle suchen sie. Für manch einen ist sie das Lebenselixier, der Stoff, der uns atmen lässt. Dating-Apps verdienen Geld mit ihr, ein Haufen Ratgeberliteratur tut selbiges, unsere Konsumkultur ist mit ihr aufgeladen. Sie lässt uns lachen und weinen. Enttäuscht uns, macht uns lebendig, verletzlich. Die Liebe.

Von Schubladen und Lieblingssesseln: Ein Bummel aus anderem Blickwinkel

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Uschis Lieblingsorte sind Einkaufszentren. Ich sitze mit ihr im Koblenzer Löhr-Center und esse Eis. Uschi und ich sind zu einer Stadtführung verabredet, doch statt Deutschem Eck, Festung Ehrenbreitstein oder Schängelbrunnen besuchen wir das Löhr-Center und das Forum, Koblenz’ – eben Einkaufszentren.

Otherside – Unterwegs in Ehrenthal

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Habe ich schon erwähnt, dass ich Ohrwürmer mag? Also nicht das sechsfüßige Fluginsekt mit dem Zangenpaar am Hinterleib, sondern die zufällig aufkommenden Lied-Schnipsel im Ohr.
Ich habe mal gehört, dass sie eine tiefergehende Bedeutung haben, es einen Sinn hinter ihnen gäbe. Doch auch, dass sie nur auftauchen, wenn unser Gehirn sich langweilt. Das Arbeitsgedächtnis nichts zu tun hat, sich im Leerlauf befindet. Zusammengefasst also eine bedeutungsschwangere Langeweile.

Ein Resümee: el condor pasa

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Der erste Monat ist vorbei – viel zu schnell, wie ich finde. Die Tage sind weggeflogen wie Löwenzahnsamen und statt dem Blütenstiel sind einige Fragen geblieben.
„Wie ist das so, auf einer Burg zu wohnen? Hast du Angst – besonders als Frau? Fühlst du dich da oben einsam? Und woher bekommst du eigentlich Essen?“ Die ersten drei Fragen tauchten immer wieder auf, die Vierte wurde mir nur einmal gestellt, gefiel mir aber.

Das Puppenmuseum – zwischen Realität und Fantasie

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Bitte nennen Sie mich auf keinen Fall Puppenmama“, sagt Eleonore ernst.
Das finde ich schrecklich und beschreibt keinesfalls das, was ich tue, oder wer ich bin.“ Puppenmama klinge nach Vermenschlichung von Puppen. Und Puppen zu vermenschlichen, findet Eleonore grauenvoll. Zugegeben, ich auch.

St. Goar – mehr als eine Erinnerung

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Kuckucksuhren, Leinenkleider und 1000 Teekannen

Als ich nach St. Goar komme, ist mein erster Gedanke „So präsentiert sich also Deutschland.“ Eine kleine Fußgängerzone, in der es mehr Eisdielen als Lebensmittelgeschäfte gibt (3:1), einige Souvenirläden, Leinenkleider, Ketten aus Mineralsteinen und Weinstuben. Es sind vor allem die Souvenirläden, die diesen – ja, teils oberflächlichen – Gedanken hervorrufen.

panta rhei(n) – Immer im Fluss

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Auf einmal ist da Ali.
Ali steht vor einem Informationskasten am Ortseingang von St. Goar und studiert die darin hängende Karte über die Loreley.

Eichenwickler, Frostspanner, Schwammspinner

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Fährt man mit dem Zug linksrheinisch von Bingen nach Koblenz, entdeckt man am Berghang auf der anderen Seite kurz nach Assmannshausen ein vertrocknetes Waldstück.

Ciao Oberwesel!

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Es ist heiß. Die Luft riecht nach warmem Asphalt. Und das Erdbeereis in der Hand des Kindes auf der anderen Straßenseite schmilzt schneller, als es von ihm gegessen werden kann. Mein Körper und mein Geist tun gleiches – zerschmelzen, viel mehr zerfließen in der Hitze. Ich wandere durch Oberwesel, doch habe ich das Gefühl mich an einem Ort in Italien zu befinden.

Mehr als Tempo 25 geht nur flussabwärts

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Sie heißen Anita, Flotte Lotte oder Santa Maria. Sie bringen Sand, Weihnachtsgänse und Sonnenblumenöl. Mit 30 Jahren sind sie alte Damen und schneller als 25 Stundenkilometer sind sie nur flussabwärts. Die Rede ist von Binnenschiffen auf dem Rhein.

Christsterne, Rhein und Barock-Tapete

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Ein grafischer Nachtrag zu meinem ersten Ausflug in Boppard.

 

Man muss sich wundern.

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Jan erforscht das Labyrinth des Lebens. Er sammelt Eindrücke über den Menschen wie andere Briefmarken.

Und dann begegne ich Jan. Er sagt, er sei 200 Jahre alt und der älteste Single-Mann, den es gibt. Ich muss lachen und setze mich an seinen Tisch, ein wenig verwundert über das, was nun kommen würde.

Ein Bopparder Junge mit anatolischen Wurzeln

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Mein erster Ausflug bringt mich nach Boppard. Vielleicht, weil der Ort ein wenig vertraut scheint, ich am Rhein entlangfahren kann und ich mich so an das Burgenbloggerin-Dasein rantasten will.

Streifzüge durch mittelalterliche Gemäuer

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Ich gebe es zu: Bevor ich Burggenbloggerin wurde, kannte ich von der Burg Sooneck nicht mehr als ihren Namen. Obwohl im Hunsrück aufgewachsen, wusste ich weder, dass die Burg in Niederheimbach liegt, noch dass sich über ihr der Sieben-Burgen-Blick befindet.

Im Interview mit der Rhein-Zeitung

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Folgendes Interview ist mit mir am Samstag in der Rhein-Zeitung erschienen. Ich erzähle unter anderem, was mich mit dem Mittelrheintal verbindet und wie ich mir die nächsten sechs Monate vorstelle.

Geistige Umnachtung vs. Wissensdurst

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Da bin ich also. Tausche Rauhfasertapete gegen steinerne Burgmauer. Feinstaub gegen Frischluft. Und Großstadtgeflüster gegen – ja was eigentlich – Provinzstille, Mittelrheintalgesang, Weinberg-Gejodel? So genau weiß ich das nicht. Überhaupt weiß ich noch nicht, was mich hier, also im Mittelrheintal und auf der Burg Sooneck, so alles erwartet. Kann ich ja auch nicht. Denn Horoskope erzählen einem bekanntlich nur das, was man hören will, und die schrullige Dame mit der Glaskugel war gerade nicht da.

Burgenblogger – 2019

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Gute Nachricht für alle Burgenblogger-Fans – und die, die es noch werden wollen: Es tut sich wieder was auf der Burg Sooneck. Am kommenden Samstag zieht dort Mareike Rabea Knevels ein, um als fünfte Burgenbloggerin das Erbe von Jessica Schober, Moritz Meyer, Timo Stein und Christoph Bröder anzutreten.