Bitte, bitte keine Kekse mehr!

von
Kein Kaffee ohne Keks. Karamellkeks. Wer hat sich das nur ausgedacht?
Kein Kaffee ohne Keks. Karamellkeks. Wer hat sich das nur ausgedacht?

Egal, wohin man fährt. Zu jedem Espresso ein dämlicher Keks. Schluss damit. Ein Aufruf in eigener Sache.

Ich weiß nicht, ob ich es vielleicht in einem Nebensatz schon einmal habe fallen lassen, aber: Ich liebe Espresso. Das dunkle Schwarz, die bittere Note, leicht gesüßt. Allein der Gedanke daran lässt die roten Blutkörperchen in Richtung Kieferhöhle tanzen.

Ich beneide Jogi Löw nicht aufgrund seines Bundestrainerpostens oder der Werbeverträge. Ich beneide ihn, weil er ungefragt nach jedem Länderspiel in der Nachbesprechung im ARD- oder ZDF-Studio einen Espresso hingestellt bekommt. So einen wunderbar kleinen schwarzen Fiesling. Natürlich vorgerührt. Zumindest habe ich Jogi noch nie löffeln sehen. Und schwarz trinkt der bestimmt nicht.

Aber auch Espresso und Rhein, das passt. Ganz wunderbar sogar. Denn der Espresso ist quasi der Wein des autofahrenden Mannes. Zeitlupenlabsal. Die Augen graben sich dann in das Wellenhafte des Wispertaunus oder der Rhein-Hunsrücker Hügelketten, der Kopf schaltet auf Bauch, der auf Genuss und dann ist alles egal. Und während ich das schreibe, jault im Hintergrund bereits die beste Freundin eines jeden Turmbewohners: die Espressomaschine.

Als Burgenblogger kommt man ja bekanntlich sehr viel rum. Und in nahezu jeder Stadt, jedem Dorf trinke ich einen Espresso. Und falls der nicht zur Hand ­ist – eine schöne Portion Filterkaffee. Doch in annähernd jedem Café liegt dann auf dem Rand der Untertasse unschuldig einer dieser Karamellkekse. Zu jedem bündigen Schluck Schwarz ein hellbrauner Keks. Es ist tatsächlich immer dieser eine Keks.

Und ich möchte an dieser Stelle einmal ganz vorsichtig fragen: Wer hat sich das bitteschön ausgedacht?!

Wie kann aus Weizenmehl, Zucker, Palmöl, Kandissirup, Rapsöl, Backtriebmittel, Salz und einer Spur Zimt so etwas Grausames entstehen? Für sich genommen sind es ja harmlose Zutaten. Aber in dieser Kombination: gruselig.

Und im Grunde lebt die Karamellkeksindustrie nur davon, dass der aus welchen Gründen auch immer zum Kaffee gereicht wird. Als würde man im ersten Semester der Baristaschule beigebracht bekommen, Espresso und Keks ausschließlich zusammen zu denken. Als würde Anarchie ausbrechen, bekäme der Gast zu einem Schluck Espresso kein fürchterliches Karamellgebäck. Wer hat dieses ungeschriebene Gesetzt verabschiedet?

Niemand käme doch auf die Idee, sich solche Kekse freiwillig zu kaufen. Niemand!

Vielleicht gibt es hier irgendwo auch einen findigen Karamellkeksevertrieb, von dem aus ganze Bataillone von Keksvertretern durchs Land reisen und ahnungslosen Cafébetreibern mithilfe von Kaffeekekstabellen diese entsetzlichen Kekse aufschwatzen. Ich weiß es nicht.

Ich weiß nur: Das muss aufhören. Bitte.

Aber ich bin ja selbst schuld. Denn jedes Mal stecke ich den Keks ein. Und signalisiere damit dem Wirt: Espresso + Keks = Kunde + Glück. Und der Wirtcomputer meldet: Guter Junge, hat seinen Keks gegessen. Nachbestellen.

Warum ich die Kekse auch noch einstecke, auch das weiß ich nicht. Ich vermute, weil mein Opa kein Verständnis dafür gehabt hätte, dass ich ein Lebensmittel einfach so der Willkür der Welt überlasse. Vielleicht ist es auch ein urmenschlicher Reflex, schließlich weiß man ja nie, wann man einen solchen Keks mal brauchen könnte – für schlechte Zeiten oder so.

Aber so schlecht können die Zeiten gar nicht werden, dass ich diesen Keks essen würde!

Eingepackt wird er trotzdem. Das geht mir mit Senfproben genauso. Die liegen dann oben rechts im Kühlschrank. (Und warten auf eine Gelegenheit, die niemals kommen wird.)

Und genau dieser instinktive Griff nach dem Keks hält sie im Spiel. Die Keksindustrie. Das ist Kalkül! Und sie lachen und vertreiben ohne Pause ihre sechskommazwei Gramm gegen die Menschenwürde.

Die Folge: Ich finde sie in meinen Taschen, in der Hose, in der Jacke, im Schuh, sie verstopfen die Seitenfächer im Auto oder stapeln sich auf meinem Küchentisch. Sie sind überall.

Hochgerechnet müsste ich nach Ablauf des Burgenbloggerdaseins auf gute 90 Karamellkekse kommen. Und wenn nach sechs Monaten nichts mehr übrig ist von meiner Zeit als Burgschreiber, sie bleiben. Diese Kekse. Na, Dankeschön. Das ist dann also mein Erbe. Karamellkekse!

Die lasse ich dann meinem Nachfolger.

Für schlechte Zeiten.

11 Kommentare

  • Georg Horn says:

    Was für ein unnótiger Artikel! Ich frage mich, wie lange der noch auf der Startseite der Rheinzeitung die Leute nerven soll?

    Wenn man keinen Keks zum Kaffee will, lässt man ihn liegen oder bestellt gleich einen Kaffee ohne Keks.

    Irgendwo zwichen Schizophrenie ud Kleptomanie ist dann am Ende, wenn der Keks mitgenommen wird obwohl man vorher über ihn geschimpft hat und ihn nicht essen mag. Naja, das passt wenigstens zu „Ich will gefälligst überall kostenloses WLAN haben“ vom letzten Jahr.

  • Matthias says:

    Endlich jemand, der das Thema einmal offen anspricht. Nein, diese Einheits-Spekulatiusklone sind nicht lecker und gut verzichtbar. Ich lasse den Keks grundsätzlich wieder zurück gehen, falls meine Freundin ihn nicht isst. Sie mag die Kekse nämlich seltsamerweise gerne.

  • Heike says:

    Na…Also ich mag auch gerne ein Keks zum Kaffee..Ein selbstgebackener ist mir natürlich lieber…Aber in der Tat wie wäre es denn mal mit einem Beitrag zum Thema „Traditionelle Küche am Mittelrhein“….Oder vielleicht über so manch verstaubt wirkendes Restaurant wo es noch Strammen Max oder Toast Hawaii zu essen gibt..Oder wo möglich Russische Eier…Und irgendwie weiß ich nicht so genau wo die Karamelkekse jetzt hingehören.. Dazu das wir am Rhein versuchen modern zu servieren oder als Kontrast zu den verschroben wirkenden konservativen Gerichten… Allerdings habe ich tatsächlich manchmal Lust auf ne Brotzeit in Form von Strammen Max..Und da ist es doch schön das es die im RheinTal noch gibt…

  • Edgar Kirdorf says:

    Schön seltsam ist, das wir über so etwas diskutieren…sonst keine Probleme am Rhein….Einen Keks zu reichen ist eine Steigerung der Servicequalität und über Geschmack lässt sich halt streiten….

  • Claudia Kurz says:

    Wooow. In diesem Artikel steckt mehr als beim ersten Überfliegen vermutet ;-) Die Idee z.B., es könnten nach Deiner Bb – Zeit nur Kekse an Dich erinnern, bewegt mich und macht mich Schmunzeln. Oder so… Wenn man sonst nix zu tun hätte, könnte man darüber heftig philosophieren .

  • Sandra T. says:

    Ich mag Keeekse – bin ich nun ein Krümelmonster?
    Alternativ mag ich zum Espresso aber auch diese fisselig kleinen Kaffeebohnen, umhüllt von dunkler Schokolade … mmmhhhh …
    Genießerische Grüße
    Sandra T.

  • Die Antwort einer Cafebesitzerin, die auch ihre Gäste mit diesen Keksen traktiert:
    Der Karamelkeks scheint 80 Prozent der Menschheit zu schmecken ( nachweisbar an Hand der leeren Hüllen auf dem Tisch).10 % lassen den Keks liegen, ich tippe eher auf kalorienbewusste Damen oder auf Diabetiker, als auf schnöde Kostverächter. 10 % stecken ihn vielleicht ein.
    Es gibt sie auch bei mir im Cafe, die Tradition habe ich von der Vorbesitzerin übernommen,da es viele Gäste gibt die diesen Keks lieben und man dem Gast gerne eine kleine Süßigkeit zum Kaffee anbietet.

    Mich persönlich stört die Plastikverpackung : noch mehr Plastikmüll :-O und immer das abpiddeln aus pappigen Cappucinotassen, bevor die in die Spülmaschine können,gerne fliegen sie auch auf der Terrasse herum und man mus unter die Tische kriechen, um sie zu fangen.
    Warum macht sich ausgerechnet der Lotuskeks überall breit ? Er ist preisgünstiger als andere in dieser Form abgepackter Kleinbackwaren, hat eine hohe Akzeptanz beim Gast und lässt sich gut und bruchfrei stapeln.
    Ich hatte schon überlegt, selbstgebackene Kekse dazu zu legen, dass ist aber wieder ein Problem mit den Hygienevorschriften ( ich muss jeden Keks mit der Zange anfassen, das dauert zu lange und stört den Ablauf, wenn viel los ist) und nicht gegessene Kekse müssen weggeworfen werden, ich hasse aber Verschwendung von Lebensmitteln. Außerdem müsste ich ziemlich viele Kekse backen, da ich pro Woche 200-400 Kekse benötige.
    Zum ESPRESSO gibt es bei mir übrigens KEINEN Keks, da zum Espresso kein Keks gehört, wie mir die Vorbesitzerin sagte. Da ich keinen Kaffee trinke, hab ich es mal so akzeptiert.
    Bei Bedarf kann ich aber ein unverpacktes Amarettini anbieten , was vom Ursprung her die richtige Ergänzung des Espresso ist.

  • Pamela says:

    Und von genau dieser Firma gibt es einen Karamel- Aufstrich. Wohl für auf das Brot. Kann man aber auch gut pur mit dem Löffel essen. Man. Also ich 😂 Ein Albtraum für den Burgenblogger. Und die gesammelten Kekse nehme ich gerne nach Ablauf der Burgen- Zeit in Empfang.

    Herzliche Grüße aus Rhens.

  • yola says:

    Kleiner Tipp: Kekse einfach an die nächsten Menschen, der dir über den Weg laufen weiter verschenken.
    Das klappt vielleicht nicht beim ersten Anlauf, ist aber lustig, weil du so mit den RheinländerInnen und Mitelrheintal-Gästen in Kontakt kommst…

  • Marion says:

    Don’t feed the Burgenblogger!

    ;-)

    Du musst das noch lernen mit dem Konsumverzicht, wenn Dir was am Herzen liegt!
    Richtig erkannt hast Du es ja schon: Solange Du die Kekse einsteckst, signalisierst Du
    a) dass sie gemocht werden und
    b) dass für Nachschub gesorgt werden muss.
    Du bist also selbst schuld. :-P

    Nun sind Lotus-Kekse an sich ja kein wirkliches Problem, was die Welt in den Untergang stürzt oder für irgendwen schmerzhafte oder gar tödliche Folgen hat.
    Anders ist es da für mich als vegan lebender Konsument, der ungefragt was als lieb gemeinte Aufmerksamkeit untergejubelt bekommt. Da lernt man schon, wie man sowas zurückgehen lässt und vielleicht auch eine kurze freundliche Begründung dazu abgibt. Man will ja schließlich die Welt retten!
    Und wenn Du eingepackte Kekse zurückgehen lässt, kannst Du auch sicher sein, dass sie einem anderen eine Freude machen – ist ja nichts unhygienisches dabei.

    Lotus-Kekse lasse ich übrigens keine zurückgehen, denn
    a) sind sie vegan und
    b) gehöre ich zu der seltenen Spezies, die diese Teile gerne mag.

    Und nur, damit Du mal so richtig Schnappatmung bekommst: Im gut sortierten Lebensmittelhandel bekommt man Lotus-Kekse-Brotaufstrich zu kaufen – falls einem mal das Nutella aus den Ohren raus kommt und man Abwechslung auf dem (veganen) Frühstücksbrötchen wünscht.

    Dazu natürlich ein richtig guter Espresso!

    Wenn ich nicht befürchten würde, dass Du sie in der Sommerhitze in Deinem Burgenblogger-Auto im Mitterheintal spazieren fährst und somit ihrem Geschmack schadest, würde ich Dir ja anbieten, dass Du sie bei mir abliefern kannst, Deine Kekse, die Du gehortet hast.

    Gell, Du steckst im Hotelzimmer auch Seife und Shampoo ein?!?

    ;-)

    Aber gut geschrieben, auch wenns nicht direkt was mit dem Mittelrheintal zum tun hat. Es hat so ne schöne persönliche Note – wie ein guter Espresso (ob nun mit oder ohne Keks, ist Geschmacksache).

    P. S.: In meiner Heimatstadt gibt es einen handwerklichen Familienbetrieb, der supergute Backwaren herstellt. Der hat im Advent immer eine große, begehbare Kaffeehaus-Hütte auf dem Weihnachtsmarkt. Dort bekommt man zum Kaffee auch gerne mal ungefragt ein Stück Christstollen kostenlos dazu oder außerhalb der Rentier-Saison ein Eckchen Marmorkuchen. Das ist einfach reine Fürsorge!

  • Ilona says:

    ok, die Karamelkekse sind vielleicht nicht die besten, aber ich liebe zum Kaffee oder Espresso einen leckeren Keks! Oder vielleicht ein Randstück vom Blechkuchen, hhhmmmmm lekka!

Kommentar verfassen