Der Münchener, der fürs Mittelrheintal bloggt

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Frank Zimmer möchte Grenzen im Mittelrheintal niederreißen. Foto: Lisa Haensch

Die „7 Fragen“ sind schon jetzt so etwas wie sein Markenzeichen geworden. Die stellt Frank Zimmer regelmäßig den unterschiedlichsten Menschen aus dem Mittelrheintal. Politikern, Winzern oder Künstlern etwa. Und kürzlich auch mir. Jetzt wurde der Fragende zum Befragten.

Seit Anfang des Jahres betreibt Frank Zimmer das Blog Mittelrheingold. Jedoch nicht etwa von Lorch, Kamp-Bornhofen oder St. Goar aus. Nein, Zimmer wohnt und lebt in München. Und dort arbeitet er auch als Redaktionsleiter Online beim Fachmagazin W&V (Werben & Verkaufen). Dem Mittelrheintal ist er durch seine Familie verbunden, sein Vater stammte aus Bacharach. Zudem ist er einer der Administratoren der Facebook-Gruppe „Du weißt, du kommst vom Mittelrhein, wenn…“, die meine Vorgängerin Jessica Schober ins Leben gerufen hat. Mit seinem Blog möchte Zimmer dazu beitragen, regionale Grenzen zu überwinden. Er sammelt Themen und kuratiert Nachrichten aus der ganzen Region.

 

Du stammst aus Bacharach, lebst aber in München. Von dort betreibst du das Blog Mittelrheingold. Wie funktioniert das aus der Ferne? Und wieso hast du kein Blog über München oder die Region um München ins Leben gerufen, wo das doch für dich viel näherliegt?

Durch das Internet funktioniert das aus der Ferne ziemlich gut. Anders als der Burgenblogger ist Mittelrheingold kein Reportage-Magazin, sondern vor allem eine Medienschau, ein täglicher Überblick über die aus meiner Sicht wichtigsten Themen und Nachrichten am Mittelrhein. Wo der Blogger sitzt, spielt bei diesem Konzept keine Rolle. Hauptsache, das Thema hat einen gepackt. Und das Mittelrheintal hat mich schon immer fasziniert.

München und Mittelrheintal, Stadt und Land – gibt es da trotzdem Parallelen? Und wo liegen die Unterschiede?

In München wie am Mittelrhein haben viele Menschen ein ausgeprägtes Verhältnis zu Landschaft und Geschichte. Das ist nicht selbstverständlich, glaube ich. In Nordrhein-Westfalen, wo ich lange gelebt habe, kam mir das nicht so vor. Aber im Unterschied zu den Mittelrheinern sind die Münchner und die Bayern selbstbewusster: Mia san mia.

Du verfolgst das Geschehen im Tal anscheinend sehr intensiv, um das Blog aktuell zu halten. Kommt da nicht auch mal der Gedanke, ins Tal zurückzukehren?

Ich komme ja immer wieder zurück, weil meine Familie noch ein Häuschen am Mittelrhein hat und es erhalten möchte. Ich könnte mir auch vorstellen, irgendwann wieder ganz am Mittelrhein zu leben. Aber das hat Zeit. So wie es jetzt ist, passt es gut.

Der Aufwand, das Blog zu betreiben, scheint mir neben der Arbeit schon recht hoch zu sein. Wie bekommst du das unter einen Hut? Und wie/wo gelangst du zu deinen Infos?

Die Infos kommen aus dem Netz, und darüber läuft auch die Kommunikation mit den Menschen vor Ort. Zum Glück denken die angeblich so provinziellen Mittelrheiner digitaler und moderner als so mancher Münchner Medienprofi. Darum ist es zum Beispiel einfach, Kontakt per Messenger zu halten. Ohne den hohen Digitalisierungsgrad am Mittelrhein wäre so ein Blogprojekt neben dem Job nicht möglich.

Welches Ziel verfolgst du mit dem Blog? Und welche Motivation treibt dich an, dafür deine Freizeit aufzuwenden?

Seit ich denken kann, war am Mittelrhein „früher alles besser“. Die ganze Mittelrhein-Nostalgie kam einem immer wie eine liebenswerte Marotte vor, aber irgendwann habe ich kapiert, wie groß die Probleme wirklich sind. Spätestens nach einem Blick auf die Bevölkerungsstatistik Anfang 2015 fing ich an, mir ernsthafte Sorgen zu machen. Jetzt möchte ich meinen kleinen Beitrag leisten, um das Mittelrheintal wieder nach vorne zu bringen. Viele Menschen machen das. Die einen schneiden Wege frei, pflegen Obstbäume oder engagieren sich in der Kommunalpolitik, und ich blogge halt. Jeder nach seinen Möglichkeiten.

Zum Schluss noch zwei der drei Fragen, die ich allen Menschen im Tal stelle: Was ist für dich typisch Mittelrheintal und warum?

Typisch Mittelrhein sind das Unperfekte und die Gegensätze: Eine grandiose Welterbe-Landschaft, durch die trotzdem die Güterzüge donnern. Spitzweg-Idylle neben 60er-Jahre-Siff, Weine von Weltruf, die du aber fast nur im Tal selbst kaufen kannst.

Was könnte im Mittelrheintal deiner Meinung nach besser laufen?

Es wäre schön, wenn die Politik nicht nur Fördergelder in das Tal pumpen würde, sondern auch den Mut hätte, Grenzen niederzureißen. Wer die Region vernetzen will, muss auch über gemeinsame Verwaltungsstrukturen nachdenken. Ein gemeinsamer „Mittelrheinkreis“ ist sicher illusorisch, aber muss das Welterbe-Gebiet wirklich zwischen 5 Landkreisen aufgeteilt sein? Ich finde es schade, dass noch nicht einmal eine gemeinsame Verbandsgemeinde mit St. Goar, Oberwesel und Bacharach möglich war.

2 Kommentare

  • mittelrheingold says:

    Danke für die Info, lieber Herr Schamari. Ich dachte bisher immer, die Kreisverwaltungen wären so oder so aufgelöst worden. Gab es damals wirklich die Möglichkeit, über den Rhein hinweg zu fusionieren? Dass man sich nicht einig wurde, kann ich mir aber gut vorstellen ….. ;-) Viele Grüße, Frank Zimmer

  • Otto Schamari St.Goarshausen says:

    Den gemeinsame Mittelrheinkreis hat man 1969 verpasst als St.Goar und St.Goarshausen ihren Kreissitz verloren und sich nicht auf einen gemeinsamen Kreissitz einigen konnte.
    So haben wir heute den Rhein-Hunsrück-Kreis und den Rhein-Lahnkreis.Wäre es damals zu einem gemeinsamen Kreis gekommen hätte man wahrscheinlich auch damals eine Rheinbrücke gebaut.

    Und nun noch wieder eine von der Landesregierung aufgezwungene Verwaltungsreform die
    Fusion der Verbandsgmeinnde Oberwesel/St.Goar mit der Verbandsgemeinde Emmelshausen im
    Hunsrück.
    Man darf gespannt sein wann wir gezwungen werden unsere hochverschuldete Verbandsgemeinde Loreley mit der Verbandsgmeinde Nastätten zu fusionieren.
    Zum Glück haben wir den gemeinsamen Zweckverband Welterbe Oberes Mittelrheintal der
    ein gemeinsames Sprachrohr aller Städte und Gemeindes im Welterbetal sein sollte.

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