Der PR-Mann und die Brücke

von
PR-Mann Hasso Mansfeld
PR-Mann Hasso Mansfeld

Ein Trashregisseur, ein Skandalbischof und jetzt die Mittelrheinbrücke. Mit Krisen kennt sich der Kommunikationsberater Hasso Mansfeld aus. Mit der Initiative für eine Rheinbrücke bei Bingen kämpft er für eine Brückenstudie. Das aber ist seine härteste Nuss.

Wenn es schmutzig wird, kommt er ins Spiel. Zu seinen Kunden zählen Hedgefonds, ein Tabakhersteller oder die Glückspielindustrie. Der PR-Mann Hasso Mansfeld mag vor allem die schwierigen Themen. Böse Zungen mögen in ihm den Dienstleister des Teufels sehen. Und Mansfeld selbst hätte ganz sicher seine helle Freude an dieser Formulierung. Der 54-jährige Kommunikationsberater liebt das Risiko, die Debatte. Er ist konsequent liberal – und hat keinerlei Berührungsängste.

Auch nicht, als 2002 der als „Doctor Trash“ verschriene Uwe Boll anrief, der vom Feuilleton verhasste Regisseur. Mansfeld half ihm bei der Vermarktung seines Filmes „Postal“, eine bitterböse Satire auf den Terroranschlag vom 11. September. Dann klopfte Franz-Peter Tebartz-van Elst an. Als der einstige Limburger Bischof bei seiner Residenz ein paar Sonderwünsche zu viel hatte, die Kosten explodierten und das öffentlich wurde, wandte er sich an Mansfeld. Der riet dem Skandalbischof dazu, alles radikal zu veröffentlichen. Totale Transparenz. Letztlich wurde nichts aus einer Zusammenarbeit. „Stellen Sie sich vor, der hätte neben dem ganzen Schlamassel auch noch öffentlich mein Honorar verantworten müssen“, sagt Mansfeld heute.

Der gebürtige Bonner Mansfeld empfängt in seiner Villa Katharina. Aristokratisch thront sie hoch oben über Bingen am Rhein. Natürlich hat sie ihre eigene Facebookseite. Der Gast betritt durch eine riesige Eingangstür eine gute zehn Meter hohe Eingangshalle. Mansfeld trägt blaue Turnschuhe, ein kurzärmeliges schwarzes Shirt, Jeans. Die blauen Augen umrahmt ein bernsteingemustertes Brillengestell, das angegraute Haar feucht nach hinten gekämmt. Mansfeld nimmt hinter einem riesigen Schreibtisch aus Stein Platz. Der hat zwar keine Facebookseite, dafür aber seine eigene Heizung. Selbst das mit bronzefarbenen Dekors verzierte Wasserglas will fürstlich sein.

Mansfeld wirkt müde. Er kommt gerade vom evangelischen Kirchentag in Berlin. Dort hat er im Auftrag eines Glückspielunternehmens versucht, den Kirchentagsbesuchern das Thema Glücksspiel näher zu bringen. Glückspiel und Glaube? „Doch, das passt“. Eine typische Mansfeldmission.

Mansfeld ist eigentlich diplomierter Agraringenieur. 1999 steigt er in die PR-Branche ein. Den Durchbruch brachten Ostpakete. Seine Idee: Der Osten schickt Pakete in den Westen. Quasi über Nacht wird daraus ein regelrechtes Konjunkturprogramm für die ostdeutsche Lebensmittelindustrie, Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe sind die Folge. 1,2 Millionen Pakete werden verschickt, auch Norbert Blüm bekommt eines. Mansfeld gibt 300 Interviews in sechs Wochen.

Und jetzt die Brücke. Im Grunde reiht sie sich nahtlos ein in das Mannsfeld’sche Themenprofil. Hätte so ein Mittelrheinbrückenprojekt sein eigenes Facebookprofil und noch dazu das entsprechende Sendebewusstsein in Bezug auf den Beziehungsstatus, es müsste verlautbaren: Es ist kompliziert. Mehr als das.

Denn die Debatte um eine feste Rheinquerung wird seit über 60 Jahren geführt. Zwischen Koblenz und Mainz gibt es auf 84 Kilometern keine Brücke, das ist europäischer Rekord. Pendler, Touristen, Reisende bleiben zur Querung die Schiersteiner Brücke oder die Fähren, die allerdings oftmals schon um 20 Uhr ihren Betrieb einstellen. Der Rhein wirkt auf diesem brückenlosen Abschnitt wie eine natürliche Grenze.

Die Argumente für oder gegen eine Brücke sind seit Jahrzehnten ausgetauscht. Mittelrheinbrücken fordern sich leicht. Vor allem aus der Opposition heraus. Die Regierungen wechselten, die Rituale blieben. Was in der Opposition vehement gefordert wurde, wurde in der Regierung konsequent verschleppt. Nicht nur in Bingen. In der Diskussion sind auch Brücken zwischen Ingelheim und Oestrich-Winkel oder zwischen St. Goar und St. Goarshausen.

Die Bürgerinitiative für eine Rheinbrücke bei Bingen um Mansfeld startet einen neuen Versuch. Mit einem Bürgerbegehren erzwingen sie die Möglichkeit einer Machbarkeitsstudie, die zeigen soll, inwiefern der Bau einer Querung zwischen Bingen und Rüdesheim verkehrs-, umwelt- und kostentechnisch überhaupt realisierbar ist. Es ist das erste erfolgreiche Bürgerbegehren in der Geschichte des Kreises Mainz-Bingen. Möglich macht das der Koalitionsvertrag der Rot-Gelb-Grünen Landesregierung. Darin steht, dass bei entsprechender Quote eine solche Studie in Auftrag gegeben werden kann.

Vor gut einem Jahr legen Mansfeld und Co. los. Anzeigen in Zeitungen werden geschaltet, Stände auf Marktplätzen organisiert, Flyer vor Supermärkten verteilt. Besonders Facebook setzt Mansfeld als Multiplikator ein.

8.189 Unterschriften aus über 70 Gemeinden waren gefordert. Mehr als 11.000 wurden dem Landrat des Kreises Mainz-Bingen, Claus Schick (SPD), nun übergeben. Der Kreistag stimmte zu. Der Termin für den Bürgerentscheid steht. Am 24. September, also zeitgleich mit der Bundestagswahl, soll abgestimmt werden. Allein die rechtliche Prüfung durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier fehlt.

Mansfeld hat keinen Zweifel daran, dass die Abstimmung für die Studie ausfallen wird: „Die meisten Menschen wollen eine Brücke und zur Not auch einen Tunnel.“ Beweisen kann er das nicht. Es gibt keine repräsentative Umfrage. Hört man sich in der Stadt Bingen um, winken die meisten beim Brückenthema ab. Brücke? „Ach woher dann? Do lebe wir nett mehr.“ Die Abstimmung im September wird zumindest die Frage klären, ob es, wie die Brückenfreunde immer betonen, tatsächlich eine Mehrheit in der Bevölkerung gibt.

Am grundsätzlichen Brückendilemma sind für Mansfeld natürlich die Grünen Schuld. Mansfeld ist FDP-Mitglied. Da liegt Grünenkritik quasi in der DNA. Das Bürgerbegehren ist sein Versuch, die Grünen mit den eigenen Waffen zu schlagen. Dabei hat Mansfeld eine ausgesprochen grüne Vita. Er war mal Gärtner, hat seine Diplomarbeit über Ökolandbau geschrieben und trug Jahre später mit seiner Kampagne „Bio goes Lifestyle“, bei der er eine Webcam im Hühnerstall installierte, dazu bei, Bioprodukte salonfähig zu machen.

Doch, wie stehen die Grünen tatsächlich zur Mittelrheinbrücke? Auf Nachfrage erklärt die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, Jutta Blatzheim-Roegler, man sei nicht per se gegen eine Brücke, halte jedoch den Standort aus umweltpolitischer Sicht für ungeeignet, eine weitere Studie für unnötig. Man setze auf alternative Konzepte. „Unser Ziel ist es, einen 24-Stunden Fährbetrieb einzurichten“, sagt Blatzheim-Roegler. (Das komplette Interview gibt es hier.)

In der Villa Katharina klickt sich Mansfeld durch seine unzähligen Facebookseiten. Die blauen Augen zusammengekniffen, wühlt er sich durch die vielen Kampagnenbilder. „Ich habe es mir einfacher vorgestellt. So viel Stress“, er pustet durch. „Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich vermutlich die Finger davon gelassen“, sagt Mansfeld und streicht mit einer Handfläche über den beheizbaren Steinschreibtisch. Die Brücke ist noch sehr weit weg. Und hat bereits ihre Spuren hinterlassen. Hasso Mansfeld hat sie bereits 15 Kilo gekostet. Und das auf der Habenseite.

3 Kommentare

  • Mona Jung says:

    Eine Brücke izwischen Sankt Goar und Sankt Goarshausen finde ich viel wichtiger, für die meisten Menschen im Mittelrheintal. Da gibts auch keine Rheinauen unter Naturschutz, aber aktuell eine sehr bemerkenswerte Diskussion.
    Auch im dritten Jahr Burgenblogger beschleicht mich das Gefühl, dass der Burgenblogger wie seine Vorgänger von der Kirchturmmentalität des Mittelrheintals angesteckt wird und häufig in seinen Blogs um seinen Burgturm kreist.

    • Timo Stein says:

      Ja, ich kreise. Und der Radius wird stetig erweitert. Also keine Sorge, ich komme schon auch noch bei Ihnen vorbei. Gruß!

  • Cooler Typ! FDP halt!😉👍