Die Akte Humfrey

von

„Falls Sie mich nicht verstehen können, kommen Sie einfach näher heran. Das sollte aber eigentlich kein Problem sein, ich habe ein großes Organ…

(kurze Pause und ein neckischer Blick)

…die Lunge…“

„Das gehörte jetzt nicht zum Skript“, flüstert er mir anschließend zu.

David Spence ist voll in seiner Rolle. Er spielt den Engländer John Humbly Humfrey, einen königlichen Ingenieursoffizier, der in den 1830er-Jahren Zugang zur preußischen Festung Koblenz erlangte. Diese Zeit nutzte Humfrey, um das Festungsgelände genau zu studieren und in Plänen aufzuzeichnen. Eine durchaus erstaunliche Leistung, da es sich bei der Festung Ehrenbreitstein um militärisches Sperrgebiet handelte und sie zu dieser Zeit auch gerade erst fertiggestellt wurde.

Spence alias Humfrey stolziert mit Stock und Zylinder voran, die Studentengruppe dicht an seinen Fersen. Immer wieder bindet er Studenten mit ein, lässt sie mit seinem Stock eine Mauer vermessen oder stürmt gemeinsam mit ihnen den Festungshof. Geschichte lässt sich hier interaktiv und mit einer guten Portion Humor erleben. Besser als einfach nur historische Fakten runterzubeten ist das allemal. Da schalten die meisten wohl schnell ab.

Diese spezielle Führung wurde eigentlich vor vier Jahren für die Flusskreuzfahrt-Touristen aus Übersee konzipiert. Zunächst war sie damit nur den englischsprachigen Gruppen vorbehalten. Mittlerweile gibt es sie auch auf Deutsch. Spence sagt, dass er die Führung in seiner Muttersprache Englisch besser rüberbringen kann. Ich finde, er macht das auch auf Deutsch mit britischem Akzent sehr gut. Und sehr unterhaltsam. Das wiederrum ist kaum verwunderlich, denn David Spence tritt neben seiner Funktion als Gästeführer auf der Festung auch als Arto der Clown auf.

Als wir uns dem Tor zum Oberen Schlosshof nähern, lässt sich schon erahnen, dass zum Ende der Führung noch ein besonderes Schmankerl auf die Gruppe warten wird: der Sonnenuntergang über Koblenz. In der Ferne sind die Hügel der Eifel zu sehen. Ebenso wie der Kühlturm des ehemaligen Kernkraftwerks in Mülheim-Kährlich liegen sie in einem flauschig wirkenden Nebelmantel. Ein Bild, das zwar schon unzählige Male durch die Sozialen Medien tingelte, an dem zumindest ich mich aber noch immer nicht sattgesehen habe. Und wahrscheinlich auch niemals sattsehen werde. Diesen wunderbaren Ort für einen Sonnenuntergang gleich mit der zweitgrößten Festungsanlage Europas zu schützen, ist aber vielleicht doch ein wenig übertrieben, liebe Preußen…

 

Und hier die Fotos zum Durchklicken. Neben Fotos von der Führung auf der Festung Ehrenbreitstein sind noch Bilder von meiner Wanderung über den Oelsbergsteig bei Oberwesel dabei. Und ebenfalls noch einige Fotos von Koblenz.

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