Was kann Kaub? – Über einen Ort mit Wachstumspotenzial

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Lauschiger Sommerabend in Kaub-Mitte.

An einem lauen Sommerabend genieße ich Weinschorle, Schafskäse und Oliven in Kaub. Als dann vier junge Wandertouristen dazu kommen, wird es richtig nett und unterhaltsam. Nebenbei erfahre ich ein paar überraschende Dinge darüber, wie vier Menschen um die 30 Kaub finden. Über einen Ort, der sich vielleicht selber besser kennen lernen muss.

Etwas ratlos stehen Henrike, Irina, Jochen und Lukas vor dem Weinlokal “Kaub-Mitte” in, nun ja, Kaub-Mitte. Was man hier halt so “Mitte” nennt, in einem Ort mit kaum mehr als 800 Einwohnern. Aber es ist schon eine lauschige Location, die die vier jungen Wanderer an diesem Freitagabend aufgetan haben. Schade, dass alle Tische besetzt sind. Also wirklich alle. Gut, dass an einem niemand außer dem Burgenblogger sitzt und der noch vier Plätze frei hat. “Jetzt setzt euch halt dazu”, rufe ich dem Quartett zu. Die Einladung wird dankend angenommen.

Mediterrane Küche in Kaub.
Mediterrane Küche in Kaub.

Ganz kurz zur Location selbst: Das Weinbistro von Pia und Peter Richarz reiht sich ein in die vielen angenehmen Gastro-Überraschungen, die ich am Mittelrhein erlebe. Leichte, mediterran angehauchte Küche vermählt sich mit Spundekäs’, Flammkuchen und deftigem Brotzeitteller. Die perfekten Begleiter dazu kommen aus den heimischen Kauber Weinbergen. Das Ambiente ist angenehm modern und hell; und es wird in den kommenden Jahren sicher noch gewinnen: Die Weinreben an der Außenterrasse winden sich noch recht zaghaft um den Überbau. Wenn die mal groß sind, wird das hier ein sehr schönes, grünes Plätzchen werden.

Den Wandertouristen gefällt es jedenfalls jetzt schon. Irina und Lukas sind aus Ludwigshafen angereist, Jochen und Henrike aus Düsseldorf. An diesem Abend wollen sie sich noch einmal für die morgige Wandertour stärken. 22 Kilometer auf dem Rheinsteig von Sankt Goarshausen nach Kaub stehen auf dem Programm. Für diese sportliche Tour muss natürlich aufgetankt werden. Und so probieren sich die vier munter durch die lokalen Weine durch, während wir uns über alles Mögliche unterhalten.

Willkommen in Kaub-Mitte.
Willkommen in Kaub-Mitte.

Ich muss natürlich viel vom Burgenbloggen erzählen. Jochen und Henrike kennen das Projekt sogar und haben die Ausschreibung fürs erste Burgenblog mitbekommen. Mich interessiert natürlich, was sie vom Mittelrhein halten. Die übereinstimmende Antwort: “Es ist echt OK hier.” Besonders Kaub gefällt ihnen gut. Eigentlich wollten sie in der Jugendherberge nächtigen (“Die hat die besten Bewertungen im Internet”), doch die war bereits ausgebucht. Am Ende landen sie im “Löwenkopf”. Dass der Abend sogar in einem schicken Weinlokal endet, überrascht sie umso mehr. Als sie sich in ihrer Unterkunft nach Möglichkeiten zum Weggehen erkundigt hatten, wurden die Erwartungen eher runtergeschraubt: “Das klang so, als ob hier abends gar nichts mehr aufhat. Dabei gibt es hier doch genug,” wundert die Wandergruppe sich.

Vor kurzem hatte mich das Ehepaar Hillesheim vom gleichnamigen Weingut zu einem kleinen Rundgang durch Kaub eingeladen. An den muss ich jetzt denken. Die topmoderne Jugendherberge hat bei mir damals einen richtig positiven Eindruck hinterlassen. Als wir dort waren, sprachen wir kurz mit zwei Lehrern, die gerade mit ihrer Klasse von einer Raftingtour auf dem Rhein zurückkamen. Von einer Raftingtour! Dazu das schöne Rheinufer, an dem ich abends immer wieder Gäste der Jugendherberge beim Abhängen sehe. Die Vinothek von Peter Bahles im alten Bahnhof. Das waren alles gute Sachen.

In Kaub ist noch eine Menge Wachstumspotenzial.
In Kaub ist noch eine Menge Wachstumspotenzial.

Was es also gibt: Top bewertete und günstige Übernachtungsmöglichkeiten, gute Gastronomie in allen Preiskategorien, Aktivurlaub mit Wandern, Rafting und Schwimmen im Rhein. Was es nicht gibt: Eine eigene Webseite von Kaub, auf der ich all diese Infos hübsch aufbereitet finde. Was gut tun würde: Ein bisschen weniger auf “Blücher” machen, ein bisschen mehr auf “Südfrankreich”. Die Weinranken an der Terrasse von „Kaub-Mitte“ sind jedenfalls nicht die einzigen Pflänzchen, die hier noch wachsen dürfen. 

14 Kommentare

  • Vanessa Steiert says:

    Ich finde die Lösung mit der Website des Zweckverbandes, für die Orte am Mittelrhein, sehr charmant. Es ist doch die Frage, ob wirklich jeder Ort noch eine eigene Seite pflegen muss. Kaub ist z.B. auch auf der Seite der Loreley Touristik vertreten. http://www.loreley-touristik.de/orte-der-region/kaub/ Diese Seite verbindet die touristischen Aktivitäten der VG Loreley.

    • Moritz Meyer says:

      Liebe Vanessa, danke für deinen Hinweis mit der Kaub-Seite bei Loreley-Touristik. Die finde ich tatsächlich ganz gelungen. Ich finde es auch gut, dass es überhaupt was gibt, um sich zu informieren. Ich denke, eine eigene Webseite gibt einfach immer mehr Möglichkeiten, sich selber darzustellen, aktuelle Dinge einzupflegen und den Ort auch mal ungewöhnlich zu präsentieren. Da sehe ich nur Vorteile. Klar ist aber auch: Wenn eine Webseite nicht gepflegt wird, ist sie nichts wert. Wenn dafür keine Kapazitäten da sind, ist es sicher besser, auf bestehende Präsenzen zu verweisen.

  • Ilona says:

    Ich denke ich werde Kaub demnächst mal besuchen. Vielen dank für diesen schönen Beitrag.

  • Hallo Moritz,
    Mit deinen Beziehungen könntest du ja mal versuchen den Weingutsbesitzern in Kaub zu erklären dass zB. ein Winzerfest dem Ruf der Stadt auch nicht schaden würde.
    Oder ein „Elslein“ welches in anderen Ortschaften am Mittelrhein bei Veranstaltungen mal wieder etwas Werbung für diese Perle am Rhein machen würde.
    Vielleicht kommt dann auch mal wieder jemand zu Besuch der dann auch bleiben möchte um die Einwohnerzahl wieder in die Höhe zu treiben.
    Aber leider, fürchte ich, ist der gemeine Kauber einfach zu bequem geworden um mal wieder etwas eigenes auf die Beine zu stellen.
    Grüße von einem Kaubär im sonnigen Exil.

    • Moritz Meyer says:

      Das sind gute Ideen. Ich hatte allerdings das Gefühl, dass es durchaus ein paar Veranstaltungen in Kaub gibt, wie das Theater zum Beispiel. Bei Veranstaltungen muss man immer aufpassen, denke ich. Bringt das drölfzigste Winzerfest am Mittelrhein wirklich was? Das „Elslein“ ist erklärungsbedürftig. Ist das eine Frau aus dem Ort, die im Stile einer Weinkönigin als Werbefigur auftritt, oder verstehe ich das völlig falsch?

  • Burkhard Fleck says:

    Hallo Moritz, dies finde ich ist ein sehr schöner und guter Beitrag zu Kaub und stimme auch zu,das sich in den letzten Jahren viel getan hat in unserem Städtchen. Selbst lebe ich schon von Geburt an hier in Kaub und werde dies auch bis zum Rest meines Lebens tun. Als Stadtratsmitglied begrüße ich auch sehr die Aussage, dass man sich mal ein wenig mehr auf Kaub besinnen sollte und nicht nur Blücher in den Augen haben sollte.

    • Moritz Meyer says:

      Blücher ist gut und schön. Ich bin aber skeptisch, ob er als Magnet taugt. Zumindest junge Leute können meiner Meinung nach nicht viel mit ihm anfangen. Was nicht heißt, dass man seine Geschichte nicht erzählen sollte. Die ist ja gut. Aber um die Leute nach Kaub zu locken, kann man sicher viele andere tolle Sachen finden.

  • Lieber Moritz, so ist es, Kaub bietet nicht nur jetzt schon eine Menge, sondern hat auch ein riesiges Potential. Deine Anregung, noch mehr auf Sport und Fitness zu setzen, finde ich richtig. Bis dann mal bei der Stromschwimmschule!

  • Eva says:

    Ich freue mich richtig über diesen schönen Beitrag zu Kaub. Vor ein paar Jahren hatte man tatsächlich den Eindruck, hier tut sich nichts mehr. Dabei ist Kaub wirklich schön lauschig. Ihr Statement „mehr Spdfrankreich, weniger Blücher“ bringt es auf den Punkt.
    Die Jugendherberge ist auch echt ein Gewinn für Kaub. Da kann man auch einfach so zum Kaffeetrinken hin.

  • Franziskus Weinert says:

    Hallo Moritz, gerade mal geschaut: Kaub hat schon eine eigene Webseite: http://www.stadt-kaub.de, dies leitet auf http://kaub.welterbe-mittelrhein.de weiter. Wenn man sich dort ein bisschen durchgeklickt hat, findet man im letzten Eck‘ ein PDF mit den gewünschten Infos: http://kaub.welterbe-mittelrhein.de/fileadmin/user_upload/ortsgemeinden/Kaub/Dateien/Gaesteinformaiton_Kaub_Jul_2016.pdf – eher suboptimal gelöst… ;-)