Keine Lust auf Ruhestand

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Im Ruhestand die Füße hochlegen, das kommt für Michael Dempe und Karl-Heinz Vaßen aus Rhens nicht in Frage. Die beiden kontrollieren nachts aber nicht die Straßenlaternen oder flämmen samstagmorgens mit einem Gasbrenner das Unkraut auf dem Gehweg weg. Nein, die rüstigen Rhenser haben sich ein ausgefalleneres Hobby ausgesucht. Sie produzieren Beiträge fürs Fernsehen und das Internet. In ihrer Freizeit und ehrenamtlich. Weit mehr als hundert Folgen sind in den vergangenen Jahren bereits zusammengekommen, gespickt mit unzähligen Beiträgen. „Wir in Rhens“ heißt das Format, die Themen reichen vom Vereinsfest bis zur Erschließung eines Neubaugebietes. Woher kommt diese scheinbar unerschütterliche Motivation?

„Wir wollen die Stadt Rhens ein bisschen nach vorne bringen, zeigen, was hier alles passiert“, erklärt Michael Dempe. Er ist Gründungsmitglied des Offenen Kanals Koblenz, wo die Sendung auch ausgestrahlt wird. Der Fokus liegt jedoch nicht nur auf Rhens, sondern auch auf den Gemeinden Spay, Brey und Waldesch – also der ehemaligen Verbandsgemeinde Rhens. „Ein bisschen Egoismus ist aber auch dabei“, sagt Dempe schmunzelnd, „weil wir so natürlich zu Sachen kommen, wo wir sonst nie reingekommen wären.“

Beigebracht haben die beiden sich das alles selbst. „Ich war früher Lehrer und hab deswegen ein bisschen Erfahrung damit, Leute zum erzählen zu bringen“, sagt Dempe. Musik, Deutsch und Religion hat der heute 64-Jährige unterrichtet. Und eine Video-AG geleitet. Karl-Heinz Vaßen hat fast 40 Jahre lang bei der Deutschen Bahn gearbeitet. „Also bei der Firma, die sie jetzt jeden Abend um den Schlaf bringt“, sagt der 68-Jährige und lacht. Vaßen ist zudem Stadtführer in Rhens und Segway-Guide. Und eine Ferienwohnung hat er auch noch. Langweilig wird’s da wohl nicht.

Insgesamt rund zehn Freiwillige waren bisher bei „Wir in Rhens“ über die Jahre mit eingebunden. Darunter auch junge Kameraleute, die mitmachen und Erfahrungen sammeln wollten. „Das ist mit ein Grund dafür, dass wir letztes Jahr den Deutschen Bürgerpreis erhalten haben – weil es eben ein generationenübergreifendes Projekt ist“, erklärt Dempe. An seiner Seite ist in der Sendung Anne Roy zu sehen, die gemeinsam mit ihm die Anmoderationen macht. „Anne war früher im Stadt- und Verbandsgemeinderat, kennt alle Rhenser und war damit natürlich die ideale Partnerin. Weil ich als Zugezogener mir nicht zugetraut hätte, den Leuten zu erzählen, was hier los ist“, sagt Dempe.

Wie viel Zeit die beiden in das Projekt stecken, können sie gar nicht so genau beziffern. Das müssen sie wohl auch nicht. Schließlich genießen sie die gemeinsame Arbeit. Wenn auch sie sich gerne mal gegenseitig necken. „Eigentlich bräuchten wir Michaels Gesicht bei den Anmoderationen gar nicht im Bild, Annes reicht doch aus“, hört man Vaßen dann beispielsweise sagen.

Wie aufwendig und zeitintensiv die Dreharbeiten sind, hängt ab vom Thema. Und davon, wie schwierig es ist, Termine mit den Protagonisten zu finden. Die Montage einer Sendung dauert schließlich zwei Tage. „Wenn die Sendung online ist, gehen wir beide immer gemeinsam auf Fehlersuche. Wenn Karl-Heinz dann irgendeinen blöden Fehler von mir nicht gefunden hat, dann freue ich mich natürlich“, sagt Dempe und lacht.

Feedback gibt’s für ihre Arbeit auch: „Wir bekommen E-Mails und Anrufe, vor allem aber quatschen uns die Leute auf der Straße an“, sagt Dempe. Für besonders viel Aufsehen sorgen die Aprilscherze der beiden. Einmal berichteten sie, dass ein großes Hotel im Naturschutzgebiet oberhalb von Rhens gebaut werden soll. Der Förster erzählte vor laufender Kamera, dass das durchaus naturverträglich sei und die Tiere sich schon daran gewöhnen würden. „Im Jahr zuvor kamen wir auf die Idee, zu berichten, dass dort wo jetzt die Höfer-Bäckerei steht, eine zehn Meter hohe Mauer zwischen Brey und Rhens gebaut werden soll, weil die Breyer und die Spayer uns die Plätze beim Aldi wegnehmen“, erinnert sich Vaßen und lacht. Sie haben alle Bürgermeister für den Streich vor die Kamera geholt, die komplett mitgezogen haben. „Der Bürgermeister von Spay sagte sogar noch, ich mache eine Geldsammelaktion im Dorf, damit wir die Mauer noch fünf Meter höher bauen können“, erzählt Vaßen. Einige hätten es geglaubt.

 

Zum Schluss habe ich den beiden Rhensern noch drei Fragen gestellt, die ich künftig allen Menschen im Tal stellen möchte.

Was ist typisch Mittelrheintal?

Karl-Heinz Vaßen: „Das ganze Ambiente, das ganze Flair. Wasser, Berge, Burgen. Wir sind nicht umsonst Weltkulturerbe geworden. Vielleicht ein bisschen verpennt manchmal, die Buga wird uns aber wahrscheinlich wachrütteln.“

Was ist typisch Rhens?

„Sehr viel Bürgerengagement. Es gibt sehr viele Gruppen hier, die sich um verschiedene Dinge kümmern. Die Menschen können gut miteinander. Das Lebensgefühl der Rheinländer ist auch typisch Rhens.“

Was könnte im Tal besser sein?

„Weniger verschlafen. Früher gab es in Rhens mal rund 15 Gastronomiebetriebe, heute nur noch zwei oder drei. Das könnte man ein bisschen aufmöbeln.“

 

Was ist typisch Mittelrheintal?

Michael Dempe: „Die Fröhlichkeit und die Offenheit, der Rhein und die Burgen.

Was ist typisch Rhens?

„Das Vereinsleben. Es gibt eine Vielzahl von Vereinen, die, wenn es drauf ankommt, auch zusammenstehen. Es gab hier mehrere Hilfsprojekte für soziale Zwecke, wo die Vereine mitgemacht haben. Das finde ich total klasse.“

Was könnte im Tal besser sein?

„Zum einen der Bahnlärm. Und auch ich vermisse in Rhens ein bisschen mehr Gastronomie. Als wir damals hergezogen sind, gab es eine Vielzahl von guten Restaurants.

 

www.wir-in-rhens.de

„Wir in Rhens“ auf Youtube.

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