Koblenz, deine Schokoladenseite

von
Fotograf Henry Tornow aus Koblenz. Foto: privat

Ich habe es schon wieder getan. Ich bin nicht wieder an irgendwelchen Felsen herumgeklettert oder habe mich erneut in einem Maislabyrinth verirrt. Nein, ich habe mich wieder mit einem Fotografen getroffen. Und zwar mit Henry Tornow. Da klingelts nicht? Nun ja, den meisten dürfte Henry wohl eher durch seinen Internetauftritt „Schönes Koblenz“ bekannt sein. Seit drei Jahren veröffentlicht der 24-Jährige dort stimmungsvolle Fotos rund um die Stadt an Rhein und Mosel. Mehr als 24000 Follower hat er auf Facebook, auf Instagram sind es mehr als 3500. Wahrscheinlich kennt Henry als junger Wahlkoblenzer die Stadt mittlerweile besser als so mancher Ur-Kowelenzer Schängel.

„Immer wieder ganz tolle Sichtweisen perfekt umgesetzt.“

„Seit Jahren herrliche Koblenz-Motive in gleichbleibend großartiger Qualität.“

„Die Fotos sind immer toll! Jeder Winkel wird in deinen Bildern etwas Besonderes!“

Um hier nur mal einige Kommentare seiner Facebook-Follower wiederzugeben.

Henry ist 2014 zum Studieren aus seiner Heimatstadt Jena nach Koblenz gekommen. Nicht jedoch Fotografie stand auf dem Lehrplan, sondern BWL. Kreativ gefordert war er da zwar eher nicht, schaden würde ihm das Wissen heute als Selbstständiger aber auch nicht. Das Fotografieren hingegen hat er sich selbst beigebracht. Angefangen hat er mit Landschafts- und Portraitfotografie, acht Jahre ist das jetzt her. Das macht er auch heute noch gern und entdeckt so die Region immer wieder neu.

Sein Geld verdient Henry seit einem Jahr aber hauptsächlich mit Hochzeitsfotografie. Gestellte Bilder sind nicht seine Art, er mag‘s natürlich und aus der Situation heraus. Den Frühling und Sommer über war er an den Wochenenden damit so beschäftigt, dass er fast froh ist, jetzt im Winter weniger Aufträge zu haben, um mal ein bisschen durchatmen zu können. Zwar hat er bei Hochzeiten immer viel Spaß – die Menschen um ihn herum sind ja in der Regel in bester Feierlaune –, aus fotografischer und zeitlicher Sicht bedeutet das aber auch viel Arbeit für ihn.

Bis zu zwölf Stunden ist er dabei, vom Jawort in der Kirche bis zum Mitternachtssnack im Restaurant. Bis zu 4000 Fotos pro Hochzeit. Und das stets konzentriert, bereit, jeden Moment einzufangen. Eine große Verantwortung, wie er sagt. Zwei Kameras hat er dabei im Einsatz. Und beide speichern die Fotos auf jeweils zwei Speicherkarten. Dem Brautpaar hinterher erklären, dass die Speicherkarte futsch ist und die Bilder vom schönsten Tag ihres Lebens verpufft sind – das will wirklich niemand.

„Schönes Koblenz“ ist für Henry da eher das entspannte Hobbyprojekt. Und es war wichtig für ihn, um in Koblenz einen Fuß in die Tür zu bekommen. Wenn man ganz neu in eine Stadt kommt und niemanden kennt, fallen die Aufträge eben nicht gleich vom Himmel. Man muss sich erstmal einen Namen machen. Das scheint ihm binnen weniger Jahre gelungen zu sein. Für die Romantischer Rhein Tourismus GmbH hat er ein Jahr lang Fotos im Mittelrheintal gemacht. Und auch Mercedes-Benz in Koblenz oder die Otto Beisheim School of Management in Vallendar, kurz WHU, zählen zu seinen Auftraggebern.

Für Henry war Koblenz nicht nur eine Durchgangsstation, nur Studienort. Er ist in Koblenz heimisch geworden, lebt hier nun mit seiner Freundin und Hündin Lucie. Und er hat sich erfolgreich selbstständig gemacht. Die Stadt hat eine gute Größe, sagt er. Genau wie seine Heimatstadt Jena. Berlin oder Köln sind ihm viel zu groß. In Koblenz begegnen ihm auf der Straße immer mal wieder bekannte Gesichter, und die Wege sind kurz. Lediglich in Sachen Jugend- und Subkultur vermisst er manchmal seine Heimatstadt. Da könnte es in Koblenz gern mehr Angebote geben. Eine größere alternative Szene wie in Jena sucht man in Koblenz vergeblich. Dem „Dreams“ würden hier noch immer viele hinterhertrauern.

In Sachen Fußball ist zwar sein Stammklub Carl-Zeiss-Jena nun weit weg – lediglich ein kleiner Sticker auf dem Heck seines Autos gibt den entscheidenden Fan-Hinweis. Seine Dosis Ballsport holt Henry sich jetzt eben bei der TuS-Koblenz im Stadion auf dem Oberwerth. Oder wenn die Kicker aus Jena auf einem Auswärtsspiel in der Nähe sind. Und wenn er da nicht gerade in der Kurve steht, hängt er sich seine Gitarre über die Schulter, um mit seiner Band Shell Punk im Proberaum in Koblenz-Bubenheim zu spielen.

Henry scheint irgendwie das perfekte Beispiel für „gelungene Integration“ am Mittelrhein zu sein. Okay, er lebt in Koblenz, nicht in einem der kleinen Dörfer in einem Seitental des Rheins. In Koblenz gibt’s schnelles Internet und uneingeschränkten Mobilfunk. Und ganzjährig vielfältige Kultur- und Freizeitangebote. Kurz: Die Stadt bietet sicherlich mehr Reize für junge Menschen von außerhalb, sich niederzulassen. Als Fotograf treibt es Henry aber auch immer wieder raus aus der Stadt. Beruflich wie privat. Er hat‘s eben erkannt. Es ist nicht nur ein schönes Koblenz, sondern insgesamt eine schöne Region.

 

Henry war so nett, mir eine Auswahl seiner Bilder für den Blog zur Verfügung zu stellen. Die Bildrechte liegen selbstverständlich alle bei ihm. Wer Interesse an seinen Fotos hat, kann sich hier bei ihm melden.

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