„Das interessiert mich doch nicht!“ – Wie Kinder bei einer GPS-Tour die Festung Ehrenbreitstein erleben

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Maria Bartella nimmt die Kinder mit auf Geocaching-Tour über die Festung.

Burgen, Ritter, Sagen und Legenden und ganz viel Natur: Kinder können im Welterbe Oberes Mittelrheintal durchaus viel entdecken. Dabei helfen tut ihnen die Kulturpädagogik der Generaldirektion Kulturelles Erbe. Gemeinsam werden wir demnächst Kinder auf die Burg Sooneck einladen, um ihnen beim Maus-Türöffnertag zu zeigen, wie es sich heute auf einer Burg lebt. Bei einer Geocaching-Tour der Kulturpädagogik mit einer Schulklasse habe ich mir deren Arbeit mal angeschaut. Wichtige Erkenntnis: Ich brauche eine Kanone.

“Das interessiert mich doch nicht”, blafft Paulina in Richtung Maria Bartella. Die 20-Jährige braucht eine Sekunde um sich nach der Verbalattacke zu sammeln, dann gibt sie in keckem Tonfall zurück: “Das interessiert dich jetzt aber doch.” Dabei zwickt sie Paulina zweimal frech in die Seite. Die Viertklässlerin muss zunächst kichern, dann hat auch sie sich gesammelt. Schnell setzt sie wieder ihr demonstrativ gelangweiltes Vorpubertätsgesicht auf. Nein, Paulina hat keine Lust, auszurechnen, wie viele Stunden am Tag ein preußischer Soldat auf der Festung Ehrenbreitstein im Schnitt arbeiten musste. Dabei wäre die Zahl wichtig, um die Koordinaten der nächsten Station zu ermitteln. Zum Glück sind andere Kinder motivierter und haben die richtige Antwort schnell herausgefunden.

So war es damals auf der Festung: Maria erklärt den Kindern das Leben auf Ehrenbreitstein.
So war es damals auf der Festung: Maria erklärt den Kindern das Leben auf Ehrenbreitstein.

An Begebenheiten wie diesen sieht man: Es ist eine Herausforderung, Kinder für Geschichte und Altertümer zu begeistern. Zwar kann man am Mittelrhein durchaus was erleben mit Kindern. Ein Selbstläufer sind die Burgen und Ritter aber nicht. Zumindest, wenn man möchte, dass Kinder zumindest das ein oder andere Bruchstück an Wissen mitnehmen. Karen Boßmann, Leiterin der Kulturpädagogik der GDKE, und ihr Team lassen sich darum ständig neue Dinge einfallen, um den Kids von heute zu zeigen, dass man auf der Festung mehr entdecken kann als ein paar neue Pokemon. Rund zehn freie Mitarbeiter und zwei FSJler sind für Karen Boßmann tätig, um auf den rund 80 Liegenschaften der GDKE Kinderfeste oder Erlebnistage zu organisieren. Außerdem übernehmen sie regelmäßig Führungen, zum Beispiel für Schulklassen, die in den vielen Jugendherbergen am Mittelrhein übernachten. Die können natürlich nicht so ablaufen, wie eine Standardführung für Erwachsene. Kinder wollen bei Laune gehalten werden.

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Das hat ja gar keinen Touchscreen: Wie funktioniert eigentlich ein GPS-Gerät?

Das kriegt auch Maria Bartella zu spüren. Sie übernimmt an diesem Donnerstag eine Geocaching-Führung für die vierte Klasse einer Grundschule bei Daun. Natürlich wird viel geblödelt und gealbert. Maria hat Mühe, die Aufmerksamkeit der Kids zu gewinnen. Dabei kommt zu Beginn eine wichtige Info: Wie funktioniert überhaupt ein GPS-Gerät? Ein solches braucht man beim Geocaching, um die einzelnen Punkte der Führung ansteuern zu können. Maria erklärt jetzt ganz ruhig, wie das Gerät bedient wird. Und erntet lange Gesichter, als sie darauf hinweist, dass es keinen Touchscreen hat (“Wie langweilig…”). Willkommen bei der Generation Tablet. Bei der Frage, wer es jetzt ausprobieren will, gehen dann aber doch viele Finger in die Luft. Die Tour kann losgehen.

Die Rundtour über die Festung führt die Kinder an vielen Punkten vorbei, die auch die Erwachsenen passieren. Nur die Interessen sind, sagen wir, etwas anders gelagert. Soldatenunterkünfte? Meh. Wer waren die Erbauer der Festung? Schon wieder vergessen. Die damals größte Kanone der Welt? “WOW! Die war ja so schwer wie ein T-Rex!” (Was nicht ganz stimmt: Der so genannte “Greif” wiegt neun Tonnen. Ein ausgewachsener Tyrannosaurus Rex brachte es nach derzeitigem Stand der Wissenschaft auf maximal 6,8 Tonnen. Aber wer wird da kleinlich sein…). Ja, Waffen gehen immer, bestätigt Maria, und sind zuverlässige Quotenbringer bei Kinderführungen. Fast genauso faszinierend für Kinder: Wie ging man damals auf Toilette? Weswegen wir uns jetzt erstmal einen alten Abort angucken.

Toiletten gibt es auf der Sooneck natürlich. Kanonen habe ich allerdings keine. Da muss ich mir wohl noch was einfallen lassen, wenn ich in ein paar Tagen 35 Kinder zum Maus-Türöffnertag auf der Burg begrüße. Zum Glück habe ich Karen Boßmann und ihr Team an meiner Seite. Ihr Job ist es, “Leben auf die Burgen zu bringen”, wie sie sagt. Das geht mit einfachen Ideen wie “Ritterschilde selber basteln”, was wir auch auf der Sooneck machen werden. Moderner und ausgefallener sind Gamer-Treffs auf Burgen. So richten die Kulturpädagogen demnächst auf Burg Trifels im Süden von Rheinland-Pfalz einen Zocker-Treff aus. Gespielt wird “Stronghold HD”, eine Mittelaltersimulation, bei der man seine eigene Burg baut. Also eine virtuelle Burg auf einer echten Burg. Das gefällt mir. 

Am Miniaturmodell erfühlen die Kinder die Festung.
Am Miniaturmodell erfühlen die Kinder die Festung.

Im “Real Life” kommt die Geocaching-Tour inzwischen an ihr Ende. Natürlich wartet am Ende auch eine Schatzkiste mit der verdienten Belohnung für die GPS-Archäologen. Das, in Kombination mit den Anstrengungen der 90-minütigen Tour, hat die Widerstandskräfte auf ein Minimum gesenkt. Anstandslos stellt sich selbst die anfangs aufmüpfige Paulina mit für ein Gruppenfoto auf. Auch Maria ist ein wenig erschöpft, aber immer noch guter Dinge. War eigentlich eine ganz nette Truppe, oder?  Auf einer Skala von 1 (so lieb, dass es nicht mehr normal ist) bis 10 (Ein Fall für den Jugendknast) gibt Maria die Durchschnittsnote 5. 

Welche Note Maria den Kindern auf Burg Sooneck gibt, lest ihr dann nach dem 3. Oktober hier im Blog. Leider ist die Veranstaltung zum Maustag schon ausgebucht, Anmeldungen sind nicht mehr möglich. Weitere Infos zur Kulturpädagogik der GDKE gibt es hier. In den Herbstferien gibt es außerdem ein paar ganz schöne Angebote für Kinder im Landesmuseum Koblenz. Zum Beispiel kann mit Frank Kunert seine eigene Miniaturwelt bauen. Wer also noch Beschäftigung für den Herbst sucht, wird hier sicher fündig. Könnt ja dann mal schreiben, wie es euch gefallen hat :)

1 Kommentar

  • Maria says:

    Ich hab sehensüchtig auf den Artikel gewartet und find ihn sehr gut! ? Paulina war und ist einfach das Highlight der Tour gewesen!