Orte der Vertrautheit finden

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Wo ich gebürtig herkomme, einer Region im Westerwald, gibt es keinen Fluss. Dort dominieren Wälder, Wiesen und Felder. Vielleicht zieht es mich deshalb auch immer wieder auf die Höhen des Rheintals, in den Taunus und den Hunsrück. Kurz mal abschalten vom Rhein. Eine kleine Portion vertrauter Landschaft zu mir nehmen. Den Ähren zusehen, wie sie im Kollektiv dem Wind trotzen. Deren Zusammenhalt lediglich die Fahrspuren der Traktoren brechen, die sich nahezu symmetrisch durch die Felder ziehen. Nur wenige Kilometer den Berg hinauf ist die Landschaft eine ganz andere. Das Grün der Weinberge weicht dem Gold-Braun der Wiesen und Felder. Nur manchmal, wenn die Bäume den Blick auf das Tal freigeben, blitzt der Rhein hervor. Als wolle er mir sagen: „Komm wieder herunter, du gehörst jetzt hierher.“

Früher oder später folge ich schließlich seinem Ruf. Das muss ich ja auch. Allein schon, um die letzte Fähre zu erwischen. Und schon bald wird es ohnehin vorbei sein. Schon bald werden die Ähren gewichen sein. In der Ferne wirbelt Staub in der Abendsonne auf. Die Ernte hat begonnen. Wind und Wetter können sie meist noch trotzen, gegen die Erntemaschinen hingegen haben die Ähren keine Chance. Sie fallen. Eine nach der anderen. Dann muss ich mir wohl neue Orte der Vertrautheit suchen. Sofern das noch notwendig ist. Vielleicht hat der Rhein ja auch recht. Vielleicht gehöre ich wirklich hierher.

Hier die Bilder zum Durchklicken. Unterwegs war ich auf dem Loreley-Felsen, in Oberwesel, in Osterspai und auf den Taunushöhen bei Dörscheid, Bornich und Weisel.

1 Kommentar

  • Maria Schmelzeisen. says:

    Wirklich gut,Du hast das getan was ich frueher als Maedchen getan habe.Mit 11 J .bekam ich den 1.epileptischen Anfall.Von diesem Tag an hatte ich keine Freundin mehr.Vom Pastor mochte ich nicht mehr zur Kirche,ich stoerte ihn einmal bei seiner Predikt.Seitdem bin ich beinahe jeden Sonntag zu Hause ausgebuext, habe den Hunsrueck in dieser Zeit gut kennengelernt,es hat Spass gemacht,aber ich war immer froh wenn ich den Rhein wieder zurueck gesehen hab.
    Heimweh hab ich auch jetzt noch nach Oberwesel,das wird wohl auch so bleiben, aber…….?

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