Mittelrhein oder Mittelmeer, Hauptsache Mallorca

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Die Avalon Tranquility II und die Endeavour liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Stromaufwärts. Tankschiff gegen Flusskreuzer. Niederlande gegen die Schweiz. Bei der vergangenen Fußball-Weltmeisterschaft hätte dieses Duell gar nicht stattfinden können. Auf dem Rhein vor Trechtingshausen passiert das ohne große Aufmerksamkeit. Sanfte Wellen schlagen ans Ufer. Köpfe wippen in ihnen auf und ab. Es sind die der Badenden. Der Rheinschwimmer und Sandburgenarchitekten.

Vor dem Schwimmen im Rhein wird immer wieder gewarnt. Und dennoch tun es die Leute. Kinder wie Rentner suchen die Abkühlung im Fluss. Ob am Strand in Trechtingshausen, in St. Goar oder am Ritt in Osterspai. Wer kann es ihnen bei der Hitze dieses Sommers verübeln? Sicher, das Baden im Rhein ist nicht ungefährlich. Die Strömung, auch die sogenannten Buhnenstrudel, sind nicht zu unterschätzen. Erst kürzlich sah ich einen Hubschrauber der Polizei dicht über den Rhein zwischen Bacharach und Kaub fliegen. Wenig später begegneten mir Feuerwehr, Polizei und Rettungswagen. Personensuche. Ein mulmiges Gefühl überkam mich. Glücklicherweise war wohl nichts passiert, wie ich später erfuhr.

Die Schatten der im Wind wehenden Blätter tänzeln auf dem feinen Sand. Mit geschlossenen Augen werden aus Weiden Palmen, der Rhein wird zum Meer. Möwen kreisen und kreischen. Gedämpft wehen die Stimmen der im Sand spielenden Kinder herüber. Trechtingshausen? Nein, ich muss am Mittelmeer sein. Entspannung am Rhein, das geht am Strand, auch ohne im Fluss zu schwimmen. Die Zehen im Sand vergraben und ein Buch lesen. Frisbee spielen. Sich sonnen. Bis zum nächsten Güterzug.

Plopp, plopp, plopp.

Die Blasen zerplatzen. Ich bin zurück am Rhein. Die Endeavour hat das Rennen gemacht. Punktsieg für die Schweiz. Das wäre auf dem Fußballplatz wahrscheinlich anders ausgegangen.

 

Fotos vom Strand gibt’s keine. Pietät und so. Unterwegs war ich mit der Kamera stattdessen auf der Traumschleife „Schellengang“ bei Oberdiebach und Niederheimbach sowie auf der Traumschleife „Elfenlay“ oberhalb von Boppard.

 

3 Kommentare

  • ursula goldau says:

    man sollte aber erstmal schwimmschulen einrichten die lehren auf was man beim baden im rhein achten muß. es passiert zu viel.
    früher gab es in leutesdorf ein sauber abgegrenztes bad mit umziehäuschen und allem drum und dran. die zone zwischen den krippen eignete sich gut auch für anfänger der strom war draußen, da durfte man nicht hin. lange ist das her, schade! der sommer wäre mit strandbad noch schöner gewesen. in andernach sah ich leute am weißen sandstrand liegen und mit den fischen um die wette schwimmen. sie waren alle geübt…

  • Kroke says:

    In bestimmten Bereichen Ja, früher gab es in Mannheim ein Rheinbad.
    Am Campingplatz am Rhein ist auch Baden möglich. Aber generelle Badezonen könnten angelegt werden. Das ist den jeweiligen Kommunen überlassen .da müsste aber genügend Grünfläche und auch Parkplätze vorhanden sein.

  • Heinrich Göderz says:

    Kann man am Rhein nicht mal Badekuhlen ausbaggern? Quasi Badeseen im Rhein?

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