Vater Rhein nimmt‘s einfach gelassen

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Rhein in Flammen als das Event im Oberen Mittelrheintal zu bezeichnen, ist wohl kaum übertrieben. Egal, ob in Koblenz oder in Rüdesheim und Bingen. Die Menschen kommen zum Teil von weit her, um dieses Spektakel zu erleben. Und sie kommen in Scharen. Ich hatte das völlig unterschätzt. Die Parkplatzsuche in Bingen hielt mich so lange in Atem, dass ich beinahe zu spät zum Boarding am Schiff gekommen wäre. Bingen, eine riesige Blechwüste.

Am Rheinufer sah es kaum anders aus. Zu den Autos gehören schließlich auch Menschen. Eine ganze Traube davon folgt mir auf die „MS Anja“. Jenes Schiff, das uns die kommenden sieben Stunden über den Rhein schippern wird. Von Bingen nach Oberwesel und wieder zurück. Endlich sehe ich das Tal auch mal aus der Wasserperspektive. Abgesehen von den Fährfahrten natürlich. Und als hätte ich dem Kapitän vor der Abfahrt ein paar Scheine zugesteckt, unsere Parkposition für die Aufstellung des Schiffskorsos ist ausgerechnet unterhalb der Burg Sooneck. Find ich gut. Noch mehr hätte es mich gefreut, wenn auch die Sooneck sich uns im roten Gewand der bengalischen Feuer gezeigt hätte. Hätte ihr sicher auch gut gestanden.

Der Rhein führt das Wasser von der Quelle zur Mündung, die Gäste auf den Schiffen Bier und Wein vom Glas zum Mund. Allein die Fließgeschwindigkeit unterscheidet sich. Warum aber auch nicht. Auf einem Schiff mitzufahren, ist irgendwie schon was Besonderes. Das darf auch zelebriert werden. Mit allem, was eben dazugehört. Gutes Essen, die Gesellschaft von Freunden oder Familie, mit dem Glas in der Hand den Sonnenuntergang auf dem Oberdeck genießen. Das Leben kann schon gut sein, wenn man es nur lässt.

Mit an Bord ist eine Gruppe aus dem Stuttgarter Raum. Feuerwehrleute. Sie haben entschieden, ihren Jahresausflug ins Mittelrheintal zu machen. Mit einem von ihnen komme ich während des Feuerwerks kurz ins Gespräch. Ich schätze, er ist etwa 30 Jahre alt. Er ist positiv überrascht, hatte das Tal zuvor gar nicht auf dem Schirm. „Wozu soll ich mich eigentlich stundenlang in den Flieger setzen, um Urlaub zu machen, wenn wir hier doch so schöne Ecken haben?“, sagt er. Der letzte Ausflug führte die Truppe ins Elsass. Lediglich zwei Autostunden Fahrt von Stuttgart entfernt, wie er sagt. Auch das sei eine wunderbare Reise gewesen. Er gesteht jedoch auch, dass er abseits des Feuerwehrausflugs wahrscheinlich nicht aufs Mittelrheintal als Reiseziel gekommen wäre.

Neben mir am Tisch sitzt ein Ehepaar mittleren Alters. Die beiden sind vor allem vom Essen positiv überrascht. „Wir waren vor rund zehn Jahren hier schon mal auf einem Schiff dabei, da war das Essen eine Katastrophe“, sagt sie und lacht. Ihr Mann stimmt nickend zu, murmelt was von Russischen Eiern. Das hat sie aber nicht davon abgehalten wiederzukommen. Als Frankfurter haben die beiden es schließlich nicht so weit. Auch abseits von Rhein in Flammen sind sie oft im Rheingau unterwegs. Sie haben sogar Insidertipps auf Lager von Restaurants und Weinstuben, die auch in den Wintermonaten abseits der Hauptsaison geöffnet haben. Das Rheintal ist für die beiden so eine Art Naherholungsgebiet, sommers wie winters.

Erholung, das kann der Rhein liefern. Auch an diesem Abend. Kaum spürbar zieht die Landschaft an den Ufern vorüber. Der Schiffskorso hat es nicht eilig. Die untergehende Sonne färbt den Rhein und den Himmel in ein mildes Rot. Einzig die Servicekräfte an Bord haben es eilig. Je später der Abend, desto höher die Fließgeschwindigkeit, so scheint es. Mancher Gäste, nicht die des Rheins. Der lässt sich von den unzähligen Schiffen nicht beeindrucken. Ebenso wenig wie von dem teils wirklich spektakulären Feuerwerk. Schüsse aus den Weinbergen, den nahen Uferbereichen, der Burg Klopp in Bingen. Und zum Abschluss ein wirklich großartiges Finale in Rüdesheim. Ich bin nicht der Typ, dem ein Feuerwerk sonderlich imponiert. Aber so unbeeindruckt wie Vater Rhein war ich am Ende dann doch nicht. Der ist eben eine coole Socke, selbst wenn man ihn in Flammen setzt.

Hier die Fotos zum Durchklicken:

 

 

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