Was, wenn der Kaiser nachts herabsteigt?

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Koblenz hat ein reges Nachtleben. Einige Jahre war ich selbst ein Teil davon. Wie aber zeigt sich Koblenz unter der Woche – am späten Abend und in der Nacht? Und das an einem kalten Herbsttag statt in einer lauen Sommernacht. Ich hab’s mir angeschaut. Nicht im Club oder in der Kneipe, sondern auf der Straße.

Die Gäste eines Flusskreuzfahrtschiffs flanieren am Ufer, zwei Schiffe der Viking-Flotte liegen am Anleger nahe des Deutschen Ecks. Die Touristen haben den Abend jedoch nicht für sich alleine. Da sind noch zwei andere Arten von Mensch, die die Dunkelheit ebenfalls für sich beanspruchen: Jogger und jene, die ihren Hund ausführen. Beide bleiben unter sich. Die einen sind freiwillig draußen, treiben Sport, lassen den Tag hinter sich. Work-out nennt man das ja heute. Die anderen sind da, weil ihr Vierbeiner das vorgibt. Wahrscheinlich mal mehr mal weniger freiwillig.

Der Kaiser hat das Eck fast für sich alleine. Das ein oder andere Selfie muss er aber auch jetzt wegstecken. Würde er tief in der Nacht von seinem Ross herabsteigen, es bliebe vielleicht unbemerkt. Nicht einmal Vater Rhein würde Notiz davon nehmen. Auch er scheint sich zur Ruhe gelegt zu haben. Über mir in den Bäumen hingegen ist noch etwas Bewegung. Es raschelt im Laub. Ein Schwarm Dohlen nimmts mit der Nachtruhe nicht so genau. Ich muss kurz an den Festungs-Uhu von gegenüber denken. Wenn der es jetzt auf die Dohlen abgesehen hätte, wäre der Tumult im Baum sicher deutlich größer. Dann wär’s wohl ratsam, nicht drunter zustehen.

Je weiter der Abend in Richtung Nacht fortschreitet, desto weniger ist los auf den Straßen. Die Ampeln flackern im ewigen Wechsel dreier Farben. Vergeblich warte ich an so mancher Straßenecke auf ein Auto, um den in den Fotos zu sehenden Licht-Effekt einzufangen. Und damit bin ich vielleicht die merkwürdigste Gestalt in dieser Nacht. Der Typ, der mit Kamera und Stativ von Ecke zu Ecke streunt. Für Außenstehende bestimmt ein merkwürdiges Bild. Aber was soll’s.

Ich wollte einfach mal wieder was anderes machen. Landschaftsfotos habt ihr in den vergangenen Monaten ja zu Genüge zu sehen bekommen. Diese Fotografietechnik, die ihr in den Bildern unten seht, nennt sich Langzeitbelichtung. Ich hab hier fast alle Fotos mit einer Belichtungszeit von 15 Sekunden fotografiert. Das heißt vereinfacht gesagt, die Kamera schießt 15 Sekunden lang ein Bild. Zwischen dem ersten und dem zweiten „Klack“ oder „Klick“ vergehen 15 Sekunden. Solange lässt die Kamera Licht auf den Sensor fallen. Wichtig dabei ist, dass die Kamera ganz ruhig auf einem Stativ steht. Und man benötigt entweder einen Funkauslöser oder benutzt wie ich die Selbstauslöserfunktion. Denn mit dem Drücken des Auslösers würde man das Bild bereits verwackeln.

 

Abgesehen von einer minimalen Belichtungskorrektur ist an den Bildern nichts nachträglich verändert. Und einige Bilder sind nicht in Koblenz, sondern in Vallendar entstanden. Viel Spaß beim Durchklicken:

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